Grätzlgeschichten
Im Geschichte-Podcast der Stadt Wien erzählen die Zeithistoriker und Geschichtsgreisslerei-Podcaster Andreas Filipovic und Walter Szevera "Grätzlgeschichten" aus der Wiener Historie. In Staffel 1 (2024/25) werden die Bezirks-Geschichten anhand eines zentralen Ortes in den 23 Bezirken erzählt , an denen sich wichtige Ereignisse für die politische oder gesellschaftliche Entwicklung unserer Stadt abgespielt haben. Staffel 2 (ab 2026) nimmt Denkmäler in der Stadt als Ausgangspunkt für Spaziergänge durch die Wiener Geschichte.
Grätzlgeschichten
25 | Joseph von Sonnenfels: Wien und die Bürokratie
Use Left/Right to seek, Home/End to jump to start or end. Hold shift to jump forward or backward.
In dieser Folge der Grätzlgeschichten begeben sich Andreas und Walter auf die Spuren von Joseph von Sonnenfels, dessen Denkmal im Rathauspark steht. Der Professor für Kameralistik schuf im 18. Jahrhundert unter Maria Theresia und Joseph II. die Grundlagen für einen modernen Verwaltungsstaat. Seine Standardwerke über Polizei, Handlung und Finanz wurden über ein Jahrhundert lang als Regelwerke verwendet und legten fest, wie Urkunden verfasst, Steuern eingehoben und Eingaben bearbeitet werden sollten.
Weitere Infos: https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Joseph_von_Sonnenfels
Mehr Wiener Geschichte findet ihr im Wien Geschichte Wiki. Andreas und Walter könnt ihr außerdem in der Geschichtsgreißlerei hören.
Wir freuen uns, wenn ihr der Stadt Wien auf Social Media folgt:
Habt ihr Feedback ? Schreibt uns an podcast(at)ma53.wien.gv.at und abonniert den Podcast für mehr spannende Wiener Stadtgeschichten.
-Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge der Grätzlgeschichten. Es begrüßen euch Andreas und-Walter. -Walter, wir wissen alle, zweite Folge der neuen Staffel. Wir bewegen uns jetzt eher anhand von Denkmälern durch Wien. Neue und alte, honorige und ganz schräge. Und heute hast du uns etwas mitgebracht, was ein bisschen über die Aufklärung in Österreich erzählt und leider auch über das Gegenteil davon. Es geht heute um das Denkmal für: -Joseph von Sonnenfels.-Okay, ja, wo steht das?-steht steht im Rathauspark, also praktisch in dieser Anfahrtsstraße zum Rathaus selbst. Sehr prominent positioniert, aber trotzdem eines von vielen Denkmälern. Man muss sich ja schon ein bisschen orientieren und auskennen, damit man es auch findet.-Von welchem Winkel schaut es man am besten an? Unten links? -Am besten man geht Richtung Rathaus auf der linken Seite und dann findet man diese Persönlichkeit, honorig im Stile des 18. Jahrhunderts, aufklärerisch wahrscheinlich etwas aufgeschönt. Ja, und eine interessante Figur.-Genau, und bevor wir zum Joseph von Sonnenfels kommen und seinem Denkmal, noch zwei Minuten Heimatkunde.-Wie so oft steht in Österreichs Geschichte zu Beginn einer positiven Entwicklung eine Katastrophe. Ab Mitte des 18. Jahrhunderts steht die Monarchie vor politischen und sozialen Herausforderungen, die durch herkömmliche Mittel wie Gottvertrauen und Unterdrückung nicht mehr bewältigbar sind. Wirtschaftliche Probleme und eine Reihe von militärischen Desastern erhöhen den Reformdruck gewaltig. Und so muss man mehr oder weniger zähneknirschend die Tore für eine Bewegung öffnen, die zuvor schon lange in Frankreich, England und Preußen für frischen Wind sorgte, nämlich der Aufklärung. Einer der brillantesten Köpfe der österreichischen Variante war dabei Joseph von Sonnenfels. Sonnenfels erkennt schon in jungen Jahren, dass es an der misslichen Lage der vor allem ein ineffizientes Verwaltungssystem und ein überkommenes, von religiösen Vorurteilen durchsetztes Schulsystem maßgeblich an der gesellschaftlichen Misere Schuld trägt. Im 18. und 19. Jahrhundert ist das österreichische Schulwesen von einem kirchlich dominierten, lokal sehr unterschiedlichen Bildungsangebot geprägt. Erst unter Maria Theresia werden die Grundlagen zu einem staatlich organisierten, weitgehend einheitlichen System mit allgemeiner Schulpflicht geschaffen. Ausgangspunkt der Entwicklung bildet die Theresianische Schulreform, die den Anspruch des Staates begründet, Bildung als Instrument zur Modernisierung des Vielvölkerstaates und zur Disziplinierung der Untertanen zu nützen. Über die humanistischen Absichten des Kaiserhauses sollte man sich aber keine romantischen Vorstellungen machen. Man brauchte einfach eine moderne, effiziente Wirtschaft und gesunde und einigermaßen gebildete Untertanen, um die nächsten militärischen Auseinandersetzungen siegreich zu beenden. Im 18. Jahrhundert stehen zunächst die kirchlichen Dom- und Klosterschulen sowie städtische Lateinschulen im Zentrum, die vor allem der Ausbildung des Klerus und der städtischen Eliten dienten. Aber nur mit denen war kein Krieg zu gewinnen, und somit errichtete man eine zentrale Studienhofkommission in Wien, die den Schulbereich der kirchlichen Kontrolle teilweise entzog und den Weg für ein staatlich koordiniertes Schulwesen bereitet. Den entscheidenden Einschnitt markiert die von Maria Theresia 1774 erlassene Allgemeine Schulordnung, die eine öffentliche Staatsschule und eine sechsjährige allgemeine Schulpflicht für Kinder einführt. Das neu geordnete Volksschulwesen gliedert sich in Trivial-, Haupt- und Normalschulen und soll flächendeckend eine elementare Grundbildung– Lesen, Schreiben, Rechnen sowie natürlich religiöse Unterweisung– gewährleisten. Damit tritt der Staat erstmals als Hauptakteur eines verbindlichen Schulsystems auf und übernimmt Aufgaben, die zuvor überwiegend bei Kirche und Gemeinden lagen. Joseph II. und seine Nachfolger setzten diese Entwicklung fort. Sie bekräftigten den Schulzwang, lassen neue Schulen errichten und organisieren die Aufsicht über das Unterrichtswesen streng bürokratisch. Zugleich wird ein dreigliedriges System etabliert, an dessen Basis die Volksschule steht, während in den Städten Hauptschulen und spezialisierte Normalschulen als Zentren der Lehrerbildung etabliert werden. Hinter diesen übernotwendigen Reformen stehen zu dieser Zeit eine Reihe von hochgebildeten Beratern, deren Motivation aus einem Gemisch von humanistischen Überlegungen, persönlichen Erlebnissen und nicht zuallerletzt der Möglichkeit nach Ergreifung einer blendenden Karriere bestand. Und einer dieser außergewöhnlichen Persönlichkeiten war Joseph von Sonnenfels.-Danke Walter für diese viele Information. Brechen wir es ein bisschen runter. Also 18. Jahrhundert, eine wilde Zeit und Joseph von Sonnenfels quasi der oder einer der Reformer im Lande.-Ja, er war ein intellektueller Tausendsassa. Also er hat sich mit vielen Dingen und Problemen beschäftigt. Er war wirklich so ein einflussreicher Akteur der österreichischen Aufklärung. Er war Professor, er war Publizist, er war Reformer, er war Verwaltungsbeamter, er war auch Stratege. Er hat auch praktische Dinge umgesetzt. Also wirklich ein Mann für viele Aufgaben und für viele Zwecke.-Und was gibt es über diesen Sonnenfels zu sagen? Also wo kommt der her? Wie kommt es zu dem?-Der Herr von Sonnenfels kam eigentlich aus Südmährern. Also seine Eltern haben sich erst sehr spät angesiedelt. Sie kamen eigentlich aus Berlin. Der Großvater war der Oberrabiner von Berlin.-Also schon eine intellektuelle Familie.-Richtig, eine intellektuelle Familie, natürlich sehr belesen, also Schriftum, Bücher. Geistesleben spielt eine enorm wichtige Rolle in der Familie. Sein Vater war dann katholischer Konvertit, also wechselte vom jüdischen Glauben zum katholischen, was natürlich ein wichtiger Schritt war, um die Karrierechancen des Sohnes zu ermöglichen und auch zu verbessern.-Ja, weil das Habsburger Reich natürlich streng katholisch war. Die Habsburger Verteidiger des katholischen Glaubens. Und wenn sie jetzt nach mehren ziehen in der Zeit, dann macht das natürlich einen Unterschied.-Ja, enorm wichtig und es war auch möglich. Also es wurde nicht nur rassistisch argumentiert, sondern es gab auch dann die Möglichkeit für konvertierte Juden, eben diese Karriereschritte einzuleiten und auch zu machen. Ja, und das war natürlich auch sehr wichtig auch für den jungen Joseph von Sonnenfels, weil er einerseits diesen jüdischen Hintergrund hatte mit all dem ganzen Wissen und dieser sehr gepflegten Buchkultur und auf der anderen Seite auch er immer für Toleranz eingetreten ist und gesehen hat, wie wichtig das eigentlich auch ist, verschiedene religiöse Gemeinschaften auch in dieses Reich einzugliedern und deren Qualitäten und auch ihre Qualifikationen zu nützen.-Gut, wir sind auch an der Schwelle des Übergangs quasi von diesem sehr stark religiös geprägten Staatswesen hin zu einem immer mehr modernen, säkulären Staat.-Ja, man brauchte auch diese jungen Intellektuellen auch in diesem neuen Staat. Also nur mit dem alten Adel, der eigentlich eher so bildungsfern war, konnte man also wirklich nicht reüssieren. Am Anfang hat er eigentlich eine militärische Karriere eingeschlagen.-Es gibt ja eine Menge Schlachten in der Zeit.-Ja, aber obwohl er war bei keiner dabei, er hatte das Glück, er wurde aber an vielen Orten stationiert und konnte so eigentlich das ganze Kaiserreich gut kennenlernen und auch viele Sprachen lernen. Also er war dann relativ viel unterwegs und hat sich dann Anfang der Zwanzig in Wien etabliert. Zuerst ist er durchgekommen, eher so mit schlechten Jobs als Schreiber, als Kanzleigehilfe. Er hat eigentlich nicht seinen Qualifikationen gesprochen, hat sich dann auf die Universität auch eingeschrieben und war ein wahnsinnig fleißiger Publizist. Und seine Publikationstätigkeit hat dann sehr Aufsehen erregt, weil er sich sehr um die notwendigen Reformen auch im Kaiserreich sich engagiert hat.-Wobei man sagen muss, dass natürlich Kaiserreich, wie wir jetzt so flapsig dahinsagen, natürlich sind es die Habsburgischen Lande, also noch eine Ansammlung aus unterschiedlichen Herrschaftsverhältnissen, zum Teil im Rahmen des Heiligen Römischen Reichs. Und das Kaiserreich Österreich, das entsteht ja dann erst ein paar Jahrzehnte später.-Ja, aber es geht hier wirklich so stark um Wien, Verwaltungszentrum. Und wie kann man eigentlich dieses trotzdem große Imperium einigermaßen beherrschen und auch verwalten? Anfang der 60er Jahre wird er schon Professor für politische Wissenschaft in der Universität und lehrt über Kameralistik. Also das war so ein Beginn eigentlich eines neuen Studiums.-Was ist Kameralistik? Das ist nicht kriminalistisch, nehme ich an.-Hat nichts damit zu tun. Man kennt das ja nur so ein bisschen an den Kritik oder Witzen über die Behörden. Aber die Kameralistik war eigentlich so die erste Verwaltungsakademie. Wie kann man eigentlich einen Staat verwalten? Welche Abläufe muss es geben? Wie schaut es mit der Professionalisierung aus? Also vorher war das ja wirklich so absolutes Chaos. Wie wurden Steuern eingehoben? Wie konnten Mahnbriefe zugestellt werden? Also das war alles im Argen. Und von Sonnenfels beschäftigt sich sehr intensiv damit und publiziert wahnsinnig viel damit.-Also wie muss man das vorstellen? Das heißt quasi der ursprüngliche Staat ist ja eher so ein Feudalstaat. Da hast du einen Grundherrn, von dem geht das Recht aus. Und diese moderne Verwaltung braucht es ja dann quasi auch, um sowas wie Objektivität herzustellen im Staat.-Ja, weil am Anfang steht eigentlich wie immer Militär und Steuern. Also man muss Truppen ausheben. Also die Habsburger leiden ja gegen den Preußenkönig. Eine Niederlage nach der anderen. Also man verliert ganz wichtige Provinzen wie Schlesien. Man sieht, da ist einfach ein Defizit da. Man kann keine Steuern richtig einheben. Es ist ein Vielvölkerstaat mit vielen Sprachen. Welche Amtssprache wird etwa verwendet? Es sind so viele Aufgaben und viele Probleme, die da eigentlich anstehen. Und der von Sonnenfels beschäftigt sich sehr intensiv damit.-Verstehe -Er ist eigentlich so ein absolutistischer Aufklärer. Das heißt also, nicht die Volksmassen sollten sich selbst erheben oder sich selbst bilden, sondern es braucht einen gütigen, weisen Herrscher oder in dem Fall Maria Theresia eine Herrscherin, die die Dinge regelt und zum Wohle immer der Untertanen. Aber die Untertanen müssen das halt bezahlen mit Gefolgsamkeit und einfach immer die Sachen einfach mal hinnehmen.-So ein vorsichtiger Reformer. Aufgeklärter Absolutismus. Der jetzt kein Revoluzzer in dem Sinne ist, aber irgendwie pragmatisch mit den modernen Zeiten umzugehen versucht.-Ein Modernisierer.-Ein Modernisierer.-Ohne wirklich groß umzurühren, aber er will einfach, dass die Dinge besser funktionieren. Und Sonnenfels engagiert sich vor allem publizistisch sehr stark. Also eine Menge von Schriften werden von ihm verfasst, wie zum Beispiel Grundsätze der Polizei, Handlung und Finanz. Das ist eigentlich so irre umfassendes Gebiet. Er schreibt kritische Theaterbriefe. Er schreibt den Grund gegen alles, was ihn stört. Das ist Aberglauben, Selbstsucht, Mängel in der Erziehung, Vorteile des Adels und über die Nutzlosigkeit der Klöster, was natürlich auch viele Feinde einbringt oder starke Kritik bringt. Aber er ist einerseits so brillant und gleichzeitig aber auch ein wenig präpotent, muss man auch sagen, und sehr selbstsicher, dass er eigentlich das ziemlich wegwischt.-Und wie viele Modernisierer war er dann auch Freimaurer, oder?-Genau, er war auch ein Freimaurer. Er war auch in einer der Elite-Logen, nämlich zur Wahren Eintracht. Er hat auch weitere Mitgliedschaften aufgewiesen in anderen Logen.-Was macht so eine Elite-Loge aus, dass da elitäre Menschen drin sind?-Also dass wirklich der Hochadel, also wirklich ganz wichtige Persönlichkeiten da teilnehmen. Gleichzeitig aber ist er natürlich immer auch Karrierist und schaut immer, wie kann er eigentlich Einfluss gewinnen und seinen Status absichern. Und nachdem 1785 unter Joseph II. die Freimaurer-Tätigkeiten stark eingeschränkt werden, mit dem Freimaurer-Patent, tritt auch der Sonnenfels aus dieser Loge auch aus, distanziert sich, wirkt aber trotzdem noch in diesem ganzen Dunstkreis. Er ist also, wie schon gesagt, sehr früh, sehr ehrgeizig, er ist sehr eitel, selbst eingenommen und gleichzeitig aber auch brillanter Publizist und Redner. Und das bringt ihm natürlich auch die Anerkennung von oberster Stelle, nämlich von der Maria Theresia. Er wird sogar mal als Organisator für die Straßenbeleuchtung eingesetzt. Also er ist wirklich ein Mann mit vielen Talenten.-Kommen wir zu den Reformen.-Was ganz für ihn im Zentrum war, war einerseits die Bildung. Das war für ihn absolut einer der wichtigsten Punkte, wo es Handlungsbedarf gab. Aber andererseits war auch die Frage von Folter und Todesstrafe für ihn ganz im Fokus.-Da ging es ja letztes Mal schon bei uns darum in der Folge.-Genau, da war auch wirklich nach wie vor diese grausame Strafpraxis der Folter war ja noch gang und gäbe. Und er attackiert wirklich mit großer Werft diese Brutalität von Körper- und Todesstrafen, so ab den 1760er-Jahren. Er schreibt Gutachten, Denkschriften. Und er präsentiert auch ein Memorandum der Maria Theresia, der Monachin. Und die war angeblich dann so gerührt von dem Vortrag, so zumindest die Mär, dass sie ihm gesagt hat, ab jetzt wird diese peinliche Untersuchung abgeschafft. Also, wie gesagt, er hat da wirklich sehr viel Energie und viel viel Kraft hineingesetzt, damit wirklich diese mittelalterliche Rechtspraxis verschwindet. Insgesamt hat er sich aber auch noch mit vielen anderen Dingen beschäftigt. Er hat beim Toleranz-Edikt von 1781 sehr stark mitgewirkt, dass eben auch Protestanten und auch Juden und Jüdinnen mehr Rechte bekommen. Als Berater plädiert er dafür, dass eben religiöse Minderheiten wirklich in Stärke in den Staat integriert werden. Er bringt ein Verwaltungsrecht im Neues raus. Es bringt so praktisch einen Schriftstil. Wie müssen Urkunden, wie müssen Edikte geschrieben werden, damit sie auch alle verstehen können. Also er hat eine eigene Grammatik und eine eigene Syntax der Rechtsprechung erfunden. Also er war wirklich einer, der das moderne Rechtssystem erst in Österreich eingeführt hat.-Und er wirkt unter zwei Herrscher*innen, Maria Theresia und ihrem Sohn Joseph, und ist so ein bisschen das ausführende Organ bei diesen berühmten Reformen, Josephinischen Reformen oder was auch schon von seiner Mutter quasi angestoßen wurde.-Also den großen Einfluss hat er wirklich unter Maria Theresia. Maria Theresia hat wirklich an ihm einen Narren gefressen. Also Maria Theresia war auch bekannt eigentlich für ihre Sparsamkeit, man könnte auch sagen für ihren Geiz. Die Entlohnung war am Anfang sehr gering, nachdem er aber interveniert hat, hat sie sogar ihm einen erhöhten Gehalt versprochen, hat das dann auch durchgesetzt. Also von dem bis zu 2000 Gulden im Jahr, was wirklich dann eine stattliche Summe war. Also Maria Theresia war wirklich die Schirmherrin von Joseph von Sonnenfels. Das Verhältnis zu Joseph II. war etwas abgekühlter. Also Joseph II. hat sich da nicht so viel reinreden lassen, aber hat ihm immer noch als Berater gerne herangezogen.-Weil er einfach kompetent war.-Er publiziert eine Menge von Standardwerken, die bis Mitte des 19. Jahrhunderts eigentlich die Regelwerke auch waren, an denen man sich auch orientiert hat, die ja auf der Universität unterrichtet wurden. Er hat sich selbst auch unterrichtet, war aber kein Professor. Professor. Das hat er mir wieder zur Kritik eingebracht. Also er hat eigentlich lieber geschrieben und hat am Hofe gewirkt und hat genetzwerkt.-Wobei, war er nicht auch mal Rektor der Universität Wien?-Er war zweimal von 1794 und später 1796 noch einmal Rektor. Was wirklich eine blendende Karriere war für das, dass eigentlich sein Großvater noch Rabbiner war. Das waren schon andere Zeiten, dass man das toleriert hat. Er war einfach tüchtig und trotz dieses virulenten Antisemitismus auch im Herzog-Reich hat man das zugelassen, weil man gewusst hat, solche Leute braucht man einfach und kann sich nicht auf irgendwelche alten Eliten verlassen, die dieses Reformwerk nicht gestemmt hätten.-Jetzt weiß ich ja als jemand, der Germanistik studiert hat, dass der Sonnenfels sich auch im Hinblick aufs Theater recht pronunziert geäußert hat. -Auch das war so ein Steckenpferd von ihm, deutsche Sprache also insgesamt hat er sich sehr mit der Sprache beschäftigt. Er war ja auch multilingual. Aber es war so auch im Zuge von Lessing, das deutsche Staatstheater, man brauchte eine Leitkultur, wollte auch eine Hochsprache stark einbringen. Und da hat er ein Feindbild, nämlich den Kasperl oder den Hans Wurst in Wien. Also da war ja sehr beliebter Hans Wurst, also das Volkstheater, dieses extemporierte Schauspielen, Zoten, das Schirchreden, Lästern. Und das fand er einfach wirklich absolut despektierlich und ging wirklich die ganze Zeit auf den Kasperl und auf den Hans Wurst los. Er war dann auch Zensor, hat das dann teilweise auch verbieten können, was ihm auch viel Kritik eingebracht hat. Aber das war sogar der Maria Theresia dann irgendwann mal zu viel, die gemeint hat, ja, wir wissen ja eh, die Theaterleute sind eine Bagage, sie bleiben eine Bagage, so wortwörtlich. Aber vielleicht hat der Herr von Sonnenfels noch anderes zu tun, als sich am Kasperl abzuarbeiten. Also vielleicht widmet er sich wieder der Lehre und Universitätsstudien, um weniger sich dem Kasperl.-Also da wird der intellektuelle Aufklärer zum Zensor und der Kasperl ja eigentlich zum subversiven Akt.-Ja, der hatte natürlich was Anarchistisches und das hat natürlich dem Aufklärer, der natürlich sehr stark die Rolle des Staates gesehen hat, das hat ihm gestört und das wollte er einfach weghaben. Das ist ja auch immer so ein Zug des Liberalismus, also man lasst alles zu, aber hauptsächlich man sagt das, was man der eigenen Meinung entspricht. Also das ist von dem her. Also die Freiheit ist oft eine sehr scheinbare.-Also die Freiheit ist oft eine sehr Scheinbare.-reiheit gilt vor allem, ist gut, aber vor allem die, die ich propagiere. Und das ist etwas, wo praktisch so eine Gratwanderung war zwischen Toleranz und Zensur.-Zum Vermächtnis von Sonnenfels, bevor wir dann zu seinem Denkmal noch kommen.-Ja, also es gäbe eigentlich diese moderne Bürokratie, die auch dann bis Anfang des 20. Jahrhunderts ja auch prägend war für die Monarchie. Das sagt man ja auch jetzt noch später in den Nachfolgen der Kronländer. Zumindest hat die Bürokratie funktioniert. Man konnte Eingaben machen, man wusste, wie das abläuft. Es ein ein geregeltes Werk. Es gab eine einheitliche Sprache, Formalismen. Das war wirklich ein großes Zutun eben von Sonnenfels. Das war sein großer Verdienst, eine Modernisierung vorangetrieben zu haben, die eigentlich fast 150 Jahre lang gewirkt hat und die auch jetzt noch nachwirkt. Also zum Teil sind die Geschäftsordnungen und die Büroordnung von Ministerien basieren oft auf den Überlegungen von Sonnenfels.-Und ich meine, es war nicht Sonnenfels allein. Es war eine ganze Gruppe wichtiger Reformer. Kaunitz, Haukwitz, Van Swieten, Dau und Bartenstein. Aber Sonnenfels ist sicher einer der schillerndsten Figuren.-Aber ich glaube, das ist auch ganz wichtig, zu sehen, wenn man Reformen vorantreiben will, das kann nicht einer allein stehen. Es braucht wirklich so eine Gruppe von Menschen, die sich absprechen, miteinander kommunizieren und gemeinsam vorgehen. Es gab ja diese Reformen in der Medizin, im Militärwesen, Schulwesen, auch im Verwaltungswesen, das muss ineinander greifen. Nur alleine hätte man keinen modernen Staat erreichen können.-So, jetzt kehren wir aber nach all dieser Informationen über den Sonnenfels, der total spannend ist, wieder zurück zu unserem Denkmal oder eigentlich zwei Denkmäler, oder? Also es wird jetzt auch aus dem heraus klar, was es mit diesen Denkmälern auf sich hat. Einerseits gibt es eine Büste von ihm auf der Universität Wien. Ein ehemaliger Rektor der Universität im Arkadenhof. Und andererseits eben im Rathauspark diese wunderbare Statue. Aber das mit der Statue ist ja auch nicht so einfach. Also klar, im 19. Jahrhundert kommt man auf die Idee, gut, dieser Sonnenfels, der hat irgendwie mit die Grundlagen für die Monarchie, so wie es sie jetzt gibt, gelegt, war ein großer wichtiger Politiker, machen wir ein Denkmal.-Diese zwei Denkmäler bekommt er 1867 sein erstes, nämlich auf der Elisabethbrücke, die es nicht mehr gibt, die also über den Wienfluss gebaut wurde. Und dieses Denkmal wird dann 1902 in den Rathauspark verlegt. Dieses Denkmal wird natürlich dann im Zuge des Nationalsozialismus demontiert, also das geht natürlich nicht. Also für die Nazis war natürlich eine Figur wie von Sonnenfels ein absolutes Hassobjekt. Erstens mal konvertierter Jude, zweitens mal Aufklärung, Toleranz, das war alles, was natürlich. Alles, was den Nationalsozialisten nicht getaugt hat.-Das heißt die haben wie die Taliban die Denkmäler gestürmt?-Ja, also zum Glück wurde dieses Denkmal nicht zerstört, sondern wurde in ein Depot verschafft. Und nach dem Krieg wurde es dann wieder aufgestellt. Also das war schon einfach ein wichtiges Symbol auch hinsichtlich eines neuen Österreichs, dass man eigentlich auf diese Traditionen zurückgreift und sehr stolz darauf ist, dass eben ein konvertierter Jude oder beziehungsweise einer konvertierten jüdischen Familie da wirklich einen ganz wichtigen Beitrag zur Gestaltung dieses österreichischen Staates geleistet hat. Das zweite Denkmal wurde eben auch beschädigt, nämlich die Büste auf der Universität im Arkadenhof. Also es gab einen Zuge von Feierlichkeiten von nationalsozialistischen Studenten, wurde die geschändet, diese Büste. Man hat die auch schnell weggeschafft, hat sie ins Depot geschafft und hat sie auch nach dem Zweiten Weltkrieg wieder aufgestellt.-Und das heißt, so nach dem Zweiten Weltkrieg hat der Sonnenfels quasi wieder seinen angestammten Platz zugewiesen bekommen. Ist aber ein bisschen schon auch in Vergessenheit geraten, oder?-Interessanterweise ja. Also von dem her, dass er einer der wichtigsten Reformer war, ist er ein wenig nach hinten gerückt. Einerseits hängt es damit zusammen, dass er sich so mit so vielen Dingen beschäftigt hat, dass man nicht klar sagen kann, also das ist das Hauptreformwerk von ihm. Also er hat sich ja wirklich mit Polizei, Zensur, Verwaltung, Toleranz, mit Möglichen, Möglichen, mit Beleuchtung der Innenstädte beschäftigt. Drum kann man nicht so klar festmachen, wie an Van Swieten oder an Daun, die natürlich so ganz fokussiert ihre Bereiche bearbeitet haben. Auf der anderen Seite kann es natürlich schon sein, dass es ein Antisemitismus nach wie vor noch gab. Von Sonnenfels waren natürlich auch vielen bürgerlichen antisemitischen Kräften auch nicht immer angenehm. Aber immerhin, er hat diese zwei Denkmäler und natürlich auch die Sonnenfelsgasse der der inneren Stadt.-Genau, und was total spannend ist an den zwei Denkmälern, ich meine, das ist auch ein beachtenswerter Fakt, dass eine Person in Wien zwei Denkmäler bekommt und diese beiden Denkmäler so nah beieinander sind, nämlich im Rathauspark und im Arkadenhof der Uni. Man kann beide miteinander gut besuchen und sich mal anschauen. Infos und Tipps zum Joseph von Sonnenfels und zur Aufklärung in Wien gibt es gleich. Bis dahin schreibt uns, wenn ihr Anregungen habt, an podcast@ma53.wien.gv.at. Bis zur nächsten Folge. Andreas und Walter.-Der ehemalige höchste Beamte der Republik, der ehemalige Präsidialchef des Bundeskanzleramts Manfred Matzka hat in seinem Buch Hofräte, Einflüsterer, Spin-Doktoren, 300 Jahre Graueminenzen am Ballhausplatz ein Kapitel dem intellektuellen Tausendsassa gewidmet. Ob Politik in Österreich, wie im Buchklappentext formuliert, tatsächlich so gemacht wurde und wird, sei mal dahingestellt. Die Kurzbiografie ist aber momentan die aktuellste Darstellung des bewegten Lebens von von Sonnenfels, erschienen 2020. Eine umfassende Darstellung der Zensur am Theaterwesen unter den Regentschaften von Maria Theresia und Joseph II. findet man in der Arbeit von Reinhard Eisendle Der einsame Zensor. Zur staatlichen Kontrolle des Theaters unter Maria und und Joseph II. Es lohnt sich auf jeden Fall die Durchsicht dieser voluminösen Arbeit, da man sich einen Eindruck über die Bemühungen des aufgeklärten Absolutismus österreichischer Prägung verschaffen kann, Kunst und Kultur unter staatlicher Aufsicht zu halten und, ein kleiner Hoffnungsschimmer, wie diese Anstrengungen oft einfach zum Scheitern verurteilt waren.
Podcasts we love
Check out these other fine podcasts recommended by us, not an algorithm.
Stadt Wien Podcast
Stadt Wien