Grätzlgeschichten
Im neuen Geschichte-Podcast der Stadt Wien erzählen die Zeithistoriker und Geschichtsgreisslerei-Podcaster Andreas Filipovic und Walter Szevera "Grätzlgeschichten" aus der Wiener Historie. Erzählt wird die Bezirks-Geschichte anhand eines zentralen Ortes in den 23 Bezirken – dort wo sich wichtige Ereignisse für die politische oder gesellschaftliche Entwicklung unserer Stadt abgespielt haben.
Grätzlgeschichten
Sonderfolge: Der Bundesländerhof – Wien und seine Beziehung zum Rest von Österreich
In der letzten Episode der ersten Staffel Grätzlgeschichten nehmen uns Andreas und Walter mit nach Kagran, zum Bundesländerhof. Ausgehend vom Bundesländerhof beleuchten die beiden historische Spannungen zwischen der Hauptstadt und dem Rest Österreichs: Von der Trennung Wiens von Niederösterreich 1920 über die kulturellen und politischen Gegensätze der Zwischenkriegszeit bis zur sogenannten Fußach-Affäre rund um ein Bodenseeschiff. Die Episode zeigt, wie fragil das österreichische Nationalbewusstsein lange Zeit war. Der Bundesländerhof wird dabei zum Symbol für den Versuch, diese Gräben zu überwinden.
Der Bundesländerhof im Wien Geschichte Wiki: https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Bundesl%C3%A4nderhof
Die Grätzlgeschichten kommen 2026 mit einer neuer Staffel zurück.
Mehr Wiener Geschichte findet ihr im Wien Geschichte Wiki. Andreas und Walter könnt ihr außerdem in der Geschichtsgreißlerei hören.
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-Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge der Grätzlgeschichten. Es begrüßen euch Andreas und-Walter. -Ja, Walter, wir haben heute die dritte Sondernummer quasi, die diese Staffel der Grätzlgeschichten endgültig beschließt. Ab der nächsten Folge werden wir die Dinge dann ein bisschen anders machen. Und heute geht es für uns um-den Bundesländerhof.-Der Bundesländerhof. Ein interessanter Ort in Wien. Wien. Viele kennen ihn wahrscheinlich gar nicht, deswegen erzähl uns ein bisschen was zu dem Hof.-Ja, der befindet sich in Kagran, in der Nähe vom Einkaufszentrum Kagran, U1-Station Kagran. Und es ist auch ganz interessant, wenn man aussteigt bei der U1-Station Kagran, dann hat man da eine wahnsinnige Hektik. Also die Leute steigen um, die Leute wollen ins Einkaufszentrum, also draußen tost der Verkehr. Und geht man dann ein paar Minuten, dann kommt man in eine sehr ruhige Gegend, eben Richtung Bundesländerhof, in die Bernoullistraße 4 - 8. Dort gibt es Sportplätze, sehr viel Rasen. Sehr viel Grünflächen und eben diese elf mehrgeschossigen Gebäude des Bundesländerhofs. Und da ist es eigentlich sehr ruhig und es ist innerhalb von fünf Minuten Gehzeit eine komplett andere Welt.-Und was dieser Bundesländerhof uns erzählt über das Verhältnis von Wien und Österreich, das erfahren wir nach zwei Minuten Heimatkunde.-Steigt man bei der U1-Station Kagran aus und umschifft das dort direkt angeschlossene Einkaufszentrum und seine hektische Kundschaft Richtung Bernoullistraße, so trifft man auf einen der ersten Gemeindebauten der Stadt Wien, der in der sogenannten Plattenbautechnik errichtet wurde, der Bundesländerhof. Dieser Gemeindebau, ein Wohnkomplex mit insgesamt elf Gebäuden, erstreckt sich von der Bernoullistraße 4 - 8 und wurde nur in zwei Baujahren errichtet. Am 21. Mai 1966 eröffnet Bürgermeister Marek die neue Wohnanlage und betont in seiner Rede die Symbolkraft der Namensgebung, was heute als selbstverständlich gilt, musste offensichtlich in Mareks Rede nochmals beschwört werden. Die Einheit Österreichs, das unvoreingenommene Miteinander der Bundesländer, das Ablegen historischer Vorbehalte und stereotyper Zuschreibungen gegenüber Wien auf der einen und den Bundesländern auf der anderen Seite. Und nachdem neun Gebäude jeweils nach einem Bundesland benannt wurden, nahmen die offiziellen Vertreter der Bundesländer ihre jeweiligen Blöcke quasi in symbolische Obhut und reichten sich danach die Hände in nationaler Verbundenheit. Dieser für eine Eröffnung ungewöhnliche Festakt war einem nach wie vor brüchigen Nationalbewusstsein im Nachkriegsösterreich geschuldet. Offensichtlich warfen die kulturellen und politischen Verwerfungen der Zwischenkriegszeit immer noch ihre Schatten in die 1960er hinein. Aber für die Stadt stellte dieser neue Gemeindebau auch eine bauliche Zäsur dar, denn mit Beginn der Plattenbautechnik verabschiedete sich die Stadt von den klassischen Gemeindebauten der Zwischenkriegszeit. Mit Blockbebauung und abgeschlossenen Innenhöfen. Vielmehr orientierte man sich ab nun für fast 40 Jahre lang an eine Baumoderne, die sowohl im West- wie Osteuropa für günstiges und rationelles Bauen stand, dem Plattenbau. Die Wiener Innenbezirke wiesen in den 1960er-Größen das immer noch miserable private Bausubstanz auf. Viele Bezirke erlitten aufgrund dieses Umstandes einen Bevölkerungsrückgang von bis zu einem Drittel. So favorisierte man die auf günstigem Baugrund errichtete Methode der Fertigmontage. Statt die heimische Ziegelproduktion weiter zu fördern, wurde nun der gemeindeeigenen Montagebau GmbH die Aufgabe übertragen, tausende neue Gemeindewohnungen innerhalb kürzester Zeit zu errichten. Ein Resultat war dann auch die rekordverdächtige Bauzeit. Insgesamt wurden im Bundesländerhof 1096 neue Wohnungen errichtet. Alle mit Sanitäranlagen, Balkon, Lift- und Kellergeschoss. Zwischen den in Zeilen errichteten Blöcken wurde so viel Raum für Rasen und Grünflächen geschaffen, dass jede Wohnung in den Genuss von Sonnenlicht kam. Die Abstände zwischen den Blöcken wurde aus bauwirtschaftlicher Sicht nach Länge der Kranausleger festgelegt. Typisch natürlich für das Verkehrskonzept der 1960er. Obwohl in der Stadtplanung der öffentliche Verkehr vorgesehen war, wurde dieser nur zögerlich ausgebaut. Und so gab es die obligatorische und unvermeidliche horrende Anzahl von Parkplätzen. Auf 1096 Wohnungen kamen 1100 Autoabstellplätze. So stellt sich auch ein wenig die Frage nach zwei Überzahlen im Rahmen des Bundesländerhofs. Wer bekam die vier überzähligen Parkplätze? Und für welche Bundesländer waren die nicht benahmsten, quasi überzähligen zwei Wohnblöcke vorgesehen? Plattenbauten weisen oftmalig ein schlechtes Image auf. Immer wieder werden sie mit schlechter Bausubstanz, sozialer Verwahrlosung und Vandalismus assoziiert. Einseitige und hetzerische Reportagen zeichnen oft und gern ein stereotypes Bild von diesen. Diese Darstellungen werden aber dem Leben in den Großsiedlungen oft nur bruchstückhaft gerecht. Denn erstens erinnern sich viele Bewohner*innen sehr wohl, aus welchem privatwirtschaftlichen Wohnungselend sie in den 1960ern und 70ern entflohen sind. Und dass es auch ein neues Lokalbewusstsein gibt, Problemlösungen nicht immer nur zu delegieren, sondern auch selbst in die Hand zu nehmen. So scheint ein neuer Blick auf diese sozialen Errungenschaften wünschenswert. Und vielleicht löst sich dann auch im Rahmen neuer Forschung die Frage nach den vier überzähligen Parkplätzen.-Danke Walter für diese ebenso lustige wie informative Heimatkunde. Wir haben ja gesagt, wir sprechen jetzt als Abschluss der ersten Staffel der Grätzlgeschichten ein bisschen über das Verhältnis von Wien und Österreich. Vorher mag ich aber noch ein bisschen eingehen auf das, was du gesagt hast. Also einerseits genau, also diese Plattenbauten im Endeffekt schon als ein fortschrittliches Projekt, wo ja die Menschen vielleicht aus den Wohnungen mit dem Klo am Gang oder dem Gemeinschaftsklo am Gang aus ganz schlechter Bausubstanz heraus in eigentlich sehr schöne neue Wohnungen gekommen sind. Und andererseits ja, die vier übrigen Parkplätze, hast du da eine Theorie?-Also keine Ahnung richtig, aber ich habe mir gedacht, vielleicht für den Bürgermeister, wenn er auf Besuch kommt oder für irgendeinen Landeshauptmann.-Ja klar, das würde dann passen, weil die reisen wahrscheinlich nicht alleine, da braucht der Entourage auch Wägen.-Oder der Bürgermeister hat ein großes Auto, das auf vier Parkplätze braucht.-Naja, oder vielleicht Bürgermeister, Entourage und dann noch ein, zwei Journalist*innen oder so vor Ort. Ja, das wäre möglich. Und bei den zwei Höfen, die jetzt quasi keine Bundesländernamen haben, ich meine, wenn ich in den Bundesländerhof ziehe, dann würde ich die würden zumindest irgendein Bundesland haben. Die Frage ist, kriege ich das Richtige? Aber vielleicht war es für diejenigen, die sich nicht entscheiden konnten, welches Bundesland sie nehmen. Oder vielleicht hat es irgendwie was revanchistisches gehabt.-Also eine eiserne Reserve, falls Südtirol wieder zurückkommt.-Ja oder vielleicht hat irgendjemand schon an Slowenien gedacht, wie der Hermann Kora dann in den frühen 90er Jahren.-Ja, es ist jedenfalls, man hat ihn auch zwei Blöcke zur Verfügung. Keine Ahnung, vielleicht wird es auch mal zukünftig Europa heißen oder überhaupt nochmal Österreich. Also es wäre noch Platz.-Ja, also auf jeden Fall besser, als man muss was abreißen. Ein Bundesländerpaar.-Definitiv. Ja.-Aber fangen wir doch an. Ich meine, Wien als eigenes Bundesland ist ja eigentlich eine relativ neue Erscheinung. Also so lange ist es ja noch nicht her. Also Wien war ja lange Zeit Teil Niederösterreichs einfach. -Ja, während der Monarchie war es zwar die Hauptstadt der K.u.K.-Monarchie und war es auch die Hauptstadt von Niederösterreich selbst, also dem Kronland unter der Enns, wie es eigentlich damals hieß, und war aber immer eng verbunden mit Niederösterreich. Es war ja auch der Niederösterreichische Landtag in Wien situiert. Es konnte aber die Stadt Wien über viele Dinge nicht selbstständig entscheiden bis 1918. Da ging es vor allem um Steuerhoheit, Wahlrecht und es hat sich erst nach 1918 eben geändert.-Das heißt Wien war eine Gemeinde wie jeder andere innerhalb Niederösterreichs.-Rein von diesem Gemeindestatus, ja. Also war vertreten auch im Niederösterreichischen Landtag und dann kam 1918 die Diskussion auf, soll jetzt Wien ein eigenes Bundesland werden? Soll jetzt einfach in Niederösterreich weiter integriert werden? Wie schaut das mit der Verfassung aus? Da gab es intensive Diskussionen.-Wieso kam diese Diskussion auf 1918?-Ja, also Österreich. Die Monarchie ist zerfallen, man musste ja völlig neue Strukturen finden eigentlich. Was ist die Hauptstadt? Also vorher war es die Hauptstadt eben dieses riesigen Imperiums. Jetzt ist es von einem sehr kleinen Land die Hauptstadt. Soll es ein eigenes Bundesland werden? Wie soll die Verfassung einer Republik ausschauen? Die ist natürlich eine ganz andere als eine Monarchie. Ja, und dann gibt es eben die Diskussionen natürlich zwischen den politischen Fraktionen. Also die christlich-sozialen wollten zuerst einmal Wien gesamt in Niederösterreich integrieren, dann wieder nicht. Dann wollten die Sozialdemokraten, wollten das natürlich schon haben. Welche Teile sollten bei Wien bleiben? Also da gab es eben sehr lange Diskussionen. Es ist ja wirklich eine interessante Diskussion, was macht Stadtgrenze aus? Und es hat halt länger gedauert, bis man sich eigentlich auf diese bestehenden Stadtgrenzen geeinigt hat und auch auf diese Verfassung. Aber eben seit 1920 ist dann Wien ein eigenes Bundesland geworden und konnte somit auch sehr viel eigene Schritte setzen.-Was die Fragen der zwei Stadtgrenzen angeht, so verweise ich jetzt noch einmal auf unsere letzten beiden Folgen, wo wir ja jeweils also über das exterritoriale Wien und über das Wachsen der Stadt und Groß-Wien quasi sprechen. Also wer es noch nicht gehört hat, gerne nachhören. Genau, also es kam zum Trennungsgesetz 1920 bis 1922 zwischen Niederösterreich und Wien, auch ganz spannend. Da ging es ja nicht nur um territoriale Fragen, sondern es ging auch um Eigentümerschaft, um Schulden, um alles mögliche natürlich, wie wenn man sie trennt eben.-Genau. -Eine Art Scheidung.-Mit Rosenkrieg.-Genau, genau, mit Rosenkrieg. Jetzt ist Wien aber ein eigenes Bundesland. Was bedeutet das für Wien?-Ja, Wien konnte zum Beispiel, in einer Frage ganz wichtig, den sozialen Wohnbau eben angehen. Also sie hatten Steuerhoheit, sie konnten Steuern einheben, wie sie wollten und konnten dann zum Beispiel halt diese wichtigen Gemeindebauten errichten. Es gab aber natürlich auch eine massive kulturelle und politische Abwehrhaltung von Seiten der Bundesländer. Also die Bundesländer waren natürlich alle durch die Bank sehr konservativ, sehr christlich-sozial eingestellt und da gab es sehr starke Vorbehalte gegen das Rote, auch das jüdische Wien. Also nach wie vor, das sollte man nicht vergessen, auch den Antisemitismus, der in Österreich immer so stark war. Und natürlich, es gab diese großen Probleme überhaupt. Was ist Österreich, die Nation? Ist der Staat überlebensfähig? Man muss sich die Situation 1918 schon mal anschauen. Also die ganz großen Industriezweige, bis auf das südliche Wiener Becken, die waren weg. Also Böhmen, Mähren, die Agrarwirtschaft war abhandengekommen, die Kohlevorräte Schlesiens und Polens. Also das war nicht mehr da, man musste sich völlig neu orientieren. Und es gab eben diesen großen Widerspruch. Man hatte dieses agrarisch orientierte Rest-Österreich. Wobei auch hier wiederum die Agrarindustrie ja dort nicht so super hochtechnisiert war. Das war viel auf lokale Märkte orientiert. Wirklich die Versorgung von Wien erfolgte meistens ja über Mähren oder über Ungarn mit landwirtschaftlichen Produkten. Und wie schon gesagt, die Industrie war eigentlich in Böhmen situiert.-Das heißt wahrscheinlich auch große Veränderungen in Verkehrswegen, nicht? Weil wenn du einerseits die landwirtschaftlichen Produkte aus Ungarn erhältst und der Industrieaustausch mit Böhmen passiert ist. Und du dich plötzlich dann irgendwie nach, keine Ahnung, Oberösterreich orientieren musst. Dann sind das ja ganz andere Verkehrswege.-Ja, man musste das dann völlig neu strukturieren und aufbauen. Also auch nur ein Beispiel. Also in der Monarchie war vor allem die Nordwestbahn die entscheidende Eisenbahnlinie. Also nach Böhmen, da wurde Lebensmittel, Industriegüter, auch Menschen transportiert. Und auf einmal fällt das weg. Die Grenzen sind zu. Und auf einmal wird die Westbahn, die eigentlich vorher nicht so wichtig war, total wichtig. Also man musste die auch ausbauen. Sie war einfach nicht elektrifiziert. Man musste die Kohle irgendwie heranschaffen. Und das wurde peu à peu erst entwickelt. Also die ganzen Infrastruktur-Diskussionen zeigt auch, wie sehr eigentlich Österreich erst wieder sich neu orientieren musste, neu strukturiert werden musste. Das eine ist zum Beispiel eben Verkehrslinien mit der Eisenbahn. Das andere ist natürlich auch zum Beispiel Strom. Also auch ein wichtiges infrastrukturelles Konstrukt. Es gab während der Monarchie viele kleine Einspeiser. Das hat sich ein bisschen dann konzentriert in der Ersten Republik. Aber eigentlich so wichtig, dass der große Verbund von Rest-Österreich gemeinsam mit dem Wiener Stromnetz zusammengeschlossen wurde, das war erst 1987. Also wahnsinnig spät. Bis dahin gab es nur so lokale kleine Netze. Straßenverkehr ebenfalls. Also der ganze Autobahnbau, der den Nazis eigentlich begonnen wurde, war nur eine kurze Strecke. Ist erst in den 50er Jahren so wirklich vorangetrieben worden. Also die Weststrecke wurde als erstes ausgebaut. Und dann erst die Südstrecke. Also aber auch erst die letzten Teile bei der Südautobahn 2007 fertiggestellt. Und das sind natürlich schon ganz, ganz wichtige Dinge, die für eine Ausbildung, eines Nationalgefühls wichtig sind. Also ein ganz kurioses Beispiel ist ja auch so diese Disparitäten beim Links- oder Rechtsverkehr auf der Straße. Also eine lange Zeit, die Monarchie hatte den Linksverkehr. Nur nicht in Tirol, in Vorarlberg. Die hatten immer den Rechtsverkehr. Das hängt auch ein bisschen zusammen natürlich auch mit dem Verkehr nach Deutschland. Die hatten auch immer den Rechtsverkehr. 1932 beschließt dann zum Beispiel das Parlament, dass da alles auf Rechtsverkehr umgestellt wird. Und da gibt es natürlich den Widerstand von Wien wiederum. Die wollten den Linksverkehr beibehalten, weil sie gesagt haben, das ist alles so kostspielig mit den Straßenbahnen. Und die Tiroler und die Vorarlberger wollten das auch beibehalten. Ein eher altes System jedenfalls. Nur die Nazis haben das dann geregelt. Denen war der Föderalismus egal. Und somit wurde der Rechtsverkehr eben eingeführt. Also das sind so Dinge, die einfach hinweisen, wie unterschiedlich eigentlich in Österreich die Strukturen waren und natürlich auch dementsprechend die Köpfe.-Ja, und in dieses schwache Österreichbewusstsein fällt dann noch dieser große Gegensatz zwischen Wien oder vielleicht auch teilweise allgemein den Städten und dem Land hinein, wo du dann eine konservative Regierung hast und eine sozialdemokratisch-progressive Stadtverwaltung, die nicht nur eine direkte Gegnerschaft haben, sondern auch völlig unterschiedliche kulturelle, politische, infrastrukturelle Projekte verfolgen.-Ja. In Wien war zum Beispiel natürlich auch das Finanzkapital vorherrschend. Das hatten die Bundesländer nicht. Die haben in der Zwischenkriegszeit zum Beispiel sehr viel Kapital auch aus Deutschland bekommen. Auch hier wiederum stark der Drang, sich den Deutschen hinzuwenden, nach Deutschland zu orientieren. Und erst nach dem Zweiten Weltkrieg ändert sich das dann wirklich radikal. Das hängt natürlich einerseits mit der Okkupation Österreichs durch Nazi-Deutschland zusammen. Auf der anderen Seite natürlich von 1945 bis 1955 hatten wir die alliierte Verwaltung. Und Österreich musste sich neu erfinden und wollte sich natürlich ein bisschen aus dieser Kriegsschuld oder Mitschuld von Deutschland trennen und musste soweit jetzt eine neue Identität für sich finden. Und das hat sich auch niedergeschlagen in der Kultur, mit Filmen, wo auf einmal Österreich auftaucht, die Monarchie verklärt wird. Es gibt so einen eigenen österreichischen Charakter im Gegensatz zum Deutschen. Aber auch natürlich mit industriellen Projekten, dass man sagt, okay, wir versuchen uns eigenständig mit der Verstaatlichung auf eigene Füße zu stellen, nicht mehr so abhängig zu sein, vor allem von Deutschland. Ja, und mit 1945 bricht aber interessanterweise nach dem Abzug der Alliierten dann wiederum so ein bisschen diese Diskussion an, was ist noch einmal Österreich? Wie kommen wir miteinander aus? Also die Nation selbst oder der Staat steht nicht zu so einer Diskussion, aber wie regeln wir das miteinander? Intern quasi. Intern, genau. Also es geht um Föderalismus, es geht um den Bundeshaushalt. Und es gibt immer wiederum so ganz heiße, strittige Diskussionen, vor allem zwischen Wien, Zentrum und Bundesländern oder einzelnen Bundesländern. Also viele Leute wissen von dem Ortstafelstreiten in den 70ern, was wirklich eskaliert ist, was wirklich dann fast die Zentralregierung und das Bundesheer einsetzen musste. Aber es gibt Mitte der 60er-Jahre eine etwas unbekanntere Affäre, nämlich die Fußach-Affäre.-Genau, erzähl uns mal ein bisschen was über die, weil ich glaube Fußach-Affäre, die meisten werden das nicht kennen als Begriff.-Ja, die Fußach-Affäre hat begonnen, dass Anfang der 60er-Jahre das Land Vorarlberg geplant hat, ein Verkehrsschiff zu bauen für den Bodensee, also ein Motorboot für den Passagierverkehr. Und die Idee war immer, das Schiff Vorarlberg zu nennen. Der Eigentümer war aber eigentlich die ÖBB und die Zentrale war natürlich in der Stadt Wien. Und die ÖBB war damals Teil des Verkehrsministeriums. Und der damalige Verkehrsminister Otto Probst, ein Sozialdemokrat, wollte eigentlich das Schiff in Karl Renner umtaufen. Das war für ihn ein Symbol auch, eine Hommage auch an den ehemaligen Bundespräsidenten. Und die Vorarlberger haben das überhaupt nicht positiv gesehen. Die wollten eigentlich haben, dass das Vorarlberg bleibt. Sie entscheiden darüber, die Vorarlberger sollen entscheiden, wie das Schiff getauft wird und wollten sich von Wien das nicht vorschreiben lassen.-Geht es da jetzt nur um einen regionalen Konflikt zwischen Wien und Vorarlberg oder hat das auch politische Komponente jetzt auch, weil der Karl Renner war natürlich ein prominenter sozialdemokratischer Politiker. Vorarlberg ist jetzt, glaube ich, nicht so sozialdemokratisch geprägt, auch nicht in dieser Zeit.-Ich glaube, es war ein Amalgam von vielen Faktoren. Das eine war eben, man lässt sich von der Zentrale nichts sagen. Das andere, man lässt sich auch von Roten Wien nichts sagen. Und der Karl Renner war auch relativ unbeliebt in Vorarlberg. Vorarlberg wollte ja nach dem Ersten Weltkrieg eigentlich eingegliedert werden in die Schweiz. Es gab da sehr starke Bestrebungen weg von Österreich. Man hat dann Karl Renner, der die Verhandlungen von Serge Armeu geführt hat, vorgeworfen, er hätte die Verhandlungen in die Länge gezogen, damit Vorarlberg keine Chance hat, sich der Schweiz anzugliedern. Dass die Schweiz das gar nicht wollte, das steht mir dann meistens nicht so erwähnt. Aber jedenfalls, der Karl Renner war sehr unbeliebt auch in Vorarlberg. Und dann war das natürlich ein rotes Tuch. Die Vorarlberger haben aber interessanterweise schon auch ein gutes Argument eingebracht. Sie haben gesagt, nach Ende des Ersten Weltkriegs werden so offizielle Gebäude oder Schiffe nicht mehr nach Personen benannt. Sie wollten, wie gesagt, sie wollten keinen Personenkult mehr einführen nach der Monarchie. Also nennen wir es doch nach dem Land. Otto Probst, aber dann ein sehr sturer Verkehrsminister, der wollte das unbedingt durchsetzen. Probst war wirklich auch ein, kam aus Favoriten, war einer der wichtigsten lokalen sozialdemokratischen Funktionäre, wollte also auch sagen, okay, wir haben jetzt ein zentralistisches Prinzip, wir haben das Recht darauf, wir lassen uns das von den Bundesländern nicht vorgeben. Der war auch 1934 in den Kämpfen verwickelt, war auch bei den revolutionären Sozialisten, saß auch viele Jahre im KZ und wollte auch ein Machtsymbol zeigen, wir können darüber bestimmen.-Vielleicht auch vom Neusiedler See bis zum Bodensee eben.-Ja, und das endet aber in einem Fiasko. 1964 soll das Schiff getauft werden mit großen Feierlichkeiten. Es kommt zu großen Massenkundgebungen in Vorarlberg, also in der Werft, in Fußach, versammeln sich 20.000 Menschen, also für Vorarlberg eine unglaubliche Menschenmenge und protestieren gegen diese Schiffstaufe. Die Festdelegation wird mit Stöcken attackiert, mit faulen Eiern, mit Tomaten. Es gibt wirklich Unruhe. Probst will eigentlich die Schiffstaufe vornehmen, kommt mit dem Motorboot am Bodensee an, nähert sich der Werft muss umdrehen, weil die Polizei sagt, wir haben die Situation nicht mehr unter Kontrolle. Die Österreich-Fahne wird runtergerissen in der Werft. Also es geht wirklich rund. Probst kehrt nach Wien zurück, aber anstatt, dass er jetzt einen Dialog beginnt, schüttet er noch weiter Öl ins Feuer, indem er die Vorarlberger Nachrichten und eine weitere Vorarlberger Zeitung des Aufrufs des Aufruhrs bezichtigt und sogar die Zeitung konfiszieren will. Das war natürlich nicht passiert. Also es war wirklich eine ganz, ganz heikle Situation in Vorarlberg und es hat natürlich nicht gerade dazu beigetragen, diesen neuen Staat, diesen neuen Nationalgefühl zu stärken. -Das ist eine wilde Geschichte. Wieso ist die eigentlich nicht so bekannt? Ich meine, ich habe die auch nicht bekannt, bevor wir darüber geredet haben.-Ja, das ist wirklich fraglich. Das war eigentlich, man sagt ja auch, dass das eigentlich der Tod war der Großen Koalition 66 dann. Also weil die Diskussionen so intensiv waren, dass man dann eigentlich nicht mehr zueinander finden konnte und dann eben die Große Koalition zwischen ÖVP und SPÖ auch zerfallen ist. Also eine gute Frage, warum das eigentlich so unter den Tisch gekehrt wird. Vielleicht, weil die Situation extrem heikel war. Also dass man das eigentlich nicht mehr erwähnen wollte und gesagt hat, hallo, da gab es wirklich ganz intensive Auseinandersetzungen noch. -Und in der Forschung ist es aber dann trotzdem auch untergegangen. Also die hätte ja theoretisch andere Ziele.-Ja, man wollte offensichtlich nicht mehr darüber sprechen, weil es eben so noch alles sehr brüchig war und noch in der Schwebe.-Und vielleicht ja auch so, dass da ja Wunden aufgerissen werden, die ja vielleicht auch aus der Zwischenkriegszeit noch da sind. Also eben die zwei großen Lager. Und vielleicht ist das ein bisschen ein Unterschied zu der anderen Affäre, zur Ortstafel-Affäre.-Wobei natürlich die Ortstafel-Affäre natürlich einen Verfassungsgrundsatz gestört hat. Die Alliierten haben das ja auch in diesem Zusatzartikel ja festgehalten, der Minderheitenrechte. Also wir waren auch verpflichtet, international diese Ortstafel aufzustellen. Die Fußach-Affäre konnte man intern abarbeiten, weil ob die jetzt Vorarlberg oder Karl Renner heißt, kann Washington oder Moskau also ziemlich schnurzegal sein.-Aber was hat jetzt diese ganze Fußach-Affäre, die super spannend ist, mit unserem Bundesländerhof zu tun?-Ja, 1964 die Fußach-Affäre und 1966 gibt es dann diesen großen Festakt, eigentlich so ein Friedensangebot der Stadt Wien, des Bürgermeister Mareks an die Bundesländer und sagt so Hallo, wir gehören zusammen. Wir müssen uns die Hände reichen. Das geht so nicht mehr. Wir können nicht mehr diese alten Konflikte in der Zwischenkriegszeit noch einmal aufwärmen. Und es kommen auch, glaube ich, sieben Landeshauptleute in die Stadt. Der Vorarlberger auch? Das habe ich leider in der Literatur nicht herausgefunden. Wäre aber sehr spannend, ob der Vorarlberger auch dabei war. Aber es kommen überall hochrangige Vertreter. Ja, und die machen halt gemeinsam diesen Festakt und feiern das ab und reichen sich die Hände. Also es war nicht zufällig, dass 1966 dieser Akt stattgefunden hat.-Nach zweijährigem Bau, also der Bau 1964 quasi begonnen hat. Wann jetzt genau der Name aus der Taufe gehoben worden ist, wissen wir wahrscheinlich nicht. Aber es passt halt sozusagen in den notwendigen Geist der Zeit.-Ja, und das, glaube ich, war schon ein wichtiges politisches Symbol auch, die Lage ein wenig beruhigt hat und gesagt hat, Hallo, wir gehören schon auch zusammen. Dieser Staat und diese Nation braucht eine Hauptstadt und diese Hauptstadt braucht natürlich auch die Bundesländer. Und es gibt dann ein Zusammenhörigkeitsgefühl, das dann später dann natürlich über weitere Ereignisse gestärkt wurde. Vor allem über Sport war das einer der wichtigsten Faktoren, warum diese Nation auch zusammengewachsen ist, aber auch über Kultur und über andere Dinge. Und da gibt es auch ganz viele interessante Untersuchungen seit den 50er Jahren. Was macht die österreichische Nation aus und mit welchen Begrifflichkeiten wird die Nation assoziiert von diversen Bundesländern beziehungsweise von West bis ganz tief ins Ostösterreich hinein? Die interessanteste Studie war dann eigentlich 2019 von Ernst Bruckmüller und Peter Thiem. Die haben dann sehr akribisch bei einem Sampling nachgeschaut, welche Bundesländer sind am beliebtesten, welche Bundesländer sehen sich selbst als beliebtesten, wie steht man zum eigenen Bundesland, welche kulturellen Begriffe gibt es, die immer mit Österreich assoziiert wurden oder halt positiv wie auch negativ. Und das kann man ein bisschen zitieren. Also die Studie ist sehr umfassend. Wir haben natürlich nicht die Zeit, wirklich super ins Detail zu gehen, aber es gibt natürlich sehr viel Kurioses auch in dieser Studie zu finden. Also nur mal insgesamt so, die Leute werden befragt, ein großes Sampling, welche Assoziationen sie zum Thema Österreich haben. Also Spitzenwert 229 Nennungen, die Berge, Mittelfeld, Wien und zum Beispiel am hintersten Ende befindet sich interessanterweise Neutralität und nur noch ganz knapp dahinter zum Beispiel Ibiza 2019.-Ist das wirklich repräsentativ über das ganze Land passiert? Oder ist da in Westösterreich nachgefragt worden?-Ganz Österreich. Also wie Ibiza da reingerutscht ist, ich habe keine Ahnung. 2019 oder beziehungsweise 2018 wahrscheinlich, wo die Studie ja schon begonnen wurde. Und man sieht auch, dass das Nationalgefühl das neue entweder sehr stark von einer Art Landschaftspatriotismus geprägt ist. Also es geht immer um Landschaft, Berge, Seen, das Wohlbefinden. Also Wohlstand ist sehr, sehr wichtig auch. Also man ist reich, man kann sich was gönnen, man arbeitet hart, man soll sich auch dann eben was leisten können. Aber auch Kultur natürlich. Das sind eigentlich die drei Hauptbegrifflichkeiten, worum sich so dieser Nationsbegriff irgendwie orientiert und herumsammelt. Es wurde auch abgefragt zum Beispiel die Verbundenheit mit dem eigenen Bundesland. Also wie gern mag man eigentlich sich selbst oder das eigene Bundesland? Eindeutiger Spitzenwert, also die Kärntner*innen lieben sich selbst am meisten. Also im Mittelfeld interessanterweise Wien und am wenigsten mögen sich die Niederösterreicher selbst.-Gut, das ist aber auch ein bisschen klar. Da ist ja meine These, Niederösterreich ist vor allem das Land um Wien rundherum. Und sehr viel mehr an wirklich sinnstifteter Identifikation gibt es da ja nicht, weil dieses Land rundherum ist ja für sich schon wieder sehr unterschiedlich, die einzelnen Vierteln. Und da bleibt halt nichts anderes übrig, glaube ich.-Ja, das Waldviertel kann man schwer mit dem südlichen Wiener Becken vergleichen. Das findet man kaum in einer anderen Landschaft, in einem anderen Bundesland wieder.-Die einzige Gemeinsamkeit, die es gibt, ist, dass man irgendwie um Wien rundherum ist.-Ja, und dass man, wenn man vom Waldviertel ins Industrieviertel fahren will dass man immer durch Wien durch muss. Das ist immer das Zentrale. Auch da spielt für die Infrastruktur eine wichtige Rolle. Die Frage ist, wenn man so ein bisschen auf Wien eingeht, also wie sympathisch ist Wien auch für die Bewohnerinnen und Bewohner in den Bundesländern? Da muss man jetzt sagen, Wien ist das einzige Bundesland, das bei allen Bundesländern am schlechtesten abschneidet. Also am wenigsten wollen die Vorarlberger und die Kärntner in Wien. Also da ist ganz, ganz schlecht. Und die anderen irgendwo so Mittelfeld. Aber eigentlich, wie schon gesagt, Wien schneidet immer am schlechtesten ab. Wenn noch Wien irgendwo beliebt ist, dann eben bei den Niederösterreichern, also wie du es auch vorhin erwähnt hast. Was lustig an Wien ist und wie immer typisch an Wien ist, auch Wien mag sich selber auch nicht so besonders.-Sonst wäre Ja Wien nicht Wien.-Ja, eben. Also es hat immer noch die besten Werte, aber es ist eigentlich so im Gesamtschnitt auch nicht berühmt.-Aber worauf führst du das zurück? Also ist es so auch natürlich naheliegend, also die Zentrale, was soll die uns vorschreiben oder so? Aber ist es auch dieser große Gegensatz zwischen lokal, international, zwischen urban, ländlich? Also es ist natürlich nicht vergleichbar, also die Welt in irgendeinem Kärntner ländlichen Bezirk und Wien selbst.-Na, Wien steht, glaube ich, ist immer halt einfach eine dankbare Projektionsfläche. Egal, was einem selber nicht passt, das findet in Wien statt. Also ist es die Migration, ist es die Leute verdienen dort so viel, es gibt da Drogen oder es gibt nur Halligalli, die arbeiten nicht, die leben von unseren arbeitslosen Geldern und so weiter.-Also wie STS schon ironisch in den 80er-Jahren gemeint hat, ich will ham nach Fürstenfeld, Wien hat mich gar nicht verdient.-Also Wien ist eine dankbare Projektionsfläche. Egal, was in der Welt Schlimmes passiert, Wien ist schuld. Und wenn nicht Wien schuld ist, dann ist halt jetzt Brüssel auch noch. Also das kommt halt auch noch dazu. Also das ist natürlich immer, ich glaube, die Wiener können es auch mit Gelassenheit nehmen. Es scheint so ein Urgesetz zu sein hinsichtlich staatlicher Zusammengehörigkeit.-Die Gelassenheit ist ja vielleicht das, was die anderen dann erst zurecht fuchsteufelswild macht.-Ja, wahrscheinlich noch einmal. Wieso sind die so lässig in der Kritik oder im Umgang mit der Kritik? Sie ärgern sich nicht einmal so richtig, sondern sie begegnen dem wahrscheinlich auch wieder mit der Wiener Arroganz. Also nicht einmal zuhorchen, was sie erzählen.-Genau, muss auch nicht sein. Welches Bundesland ist am beliebtesten bei den anderen?-Interessanterweise ist es die Steiermark.-Wirklich, die Steiermark?-Die Steiermark hat bei allen eigentlich die besten Werte, 2019 zumindest. Es wird nicht nachgefragt, genau warum, weshalb, aber die Steiermark scheint so einfach auch eine Projektionsfläche zu sein für Arbeitsethos, gut funktionierende Infrastruktur, Wohlstand. Grüne Landschaft, ja.-Aber ich denke mir, vielleicht hat es auch einfach die wenigsten Feinde. Ist am wenigsten schlimm. Ich meine, das ist jetzt vielleicht wieder Wiener Blick auf die ganze Geschichte, aber vielleicht wird es von allen am wenigsten schlimm.-Oder vielleicht ist der Dialekt auch nicht das Schlimmste. Also das Stoasteirisch kann ja durchaus charmant auch sein. Ja, nach der Lektüre von Hödlmoser ist das schon sehr, sehr, sehr lustig. Aber zum Beispiel nochmal nach Wien zu kommen oder zurückzukommen, also es ist auch interessant, wen die Wiener am meisten mögen und am wenigsten, also außer sich selbst natürlich, aber am meisten schätzen sie die Salzburger*innen. Also Salzburg scheint auch so ein Orientierungspunkt zu sein, dürfte für sich sicherlich auch mit der Kulturstadt Salzburg zusammenhängen und eben danach die Steiermark. Und am unbeliebtesten in Wien ist eben auch Vorarlberg und eben Tirol. Also die Nachfrage noch überhaupt, welche Verbundenheit es zu Gesamtösterreich gibt, ist es auch ganz interessant, dass die stärkste Verbundenheit zu Gesamtösterreich im Burgenland vorherrscht. Also Wien befindet sich im Mittelfeld und am wenigsten wird eigentlich Österreich positiv in Vorarlberg gesehen.-Ja, vielleicht hat das Burgenland auch am meisten gewonnen durch diese Zugehörigkeit zu Österreich und dann später auch zur EU. Und Vorarlberg, ja, ich meine, es ist natürlich ein Berg dazwischen und eine ganz andere Mentalität dahinter oder davor je nachdem, wie man es sieht.-Man darf auch nicht vergessen, es liegt auch weit weg von Wien. Also die Strecke Wien-Vorarlberg ist nicht zu unterschätzen.-Ich glaube vom Rheintal nach Wien ist es genauso weit wie vom Rheintal nach Paris.-Ja, also Österreich ist nicht groß, aber es ist lang gestreckt. Interessant ist ja auch, wo gibt es noch einen Bundesländerhof? Und das, glaube ich, ist auch nochmal, um das Burgenland zu erwähnen, vielleicht gibt es in anderen Städten das auch noch, aber was ich sicher weiß, im Eisenstadt gibt es auch noch einen Bundesländerhof, was auch wieder einen Hinweis darauf gibt, mit dieser Verbundenheit mit Gesamtösterreich.-Ja, beziehungsweise vielleicht auch Wien und Burgenland, die zwei Bundesländer, die zumindest auf dieser symbolischen Ebene, sich besonders um das Österreichbewusstsein verdient gemacht haben. Jetzt noch, welches ist eigentlich dein Lieblingsbundesland, Walter?-Ja, ich bin im statistischen Mittelfeld, also für mich ist neben Wien natürlich die Steiermark mein Lieblingsbundesland. Das hängt so ein bisschen mit Kindheitserinnerungen zusammen. Einmal im Jahr habe ich in der Steiermark Urlaub gemacht, immer schön grün, Forellen in glasklaren Bächen und natürlich die Literatur von Hödlmoser. Und bei dir?-Ja, ich habe ein bisschen, ich würde sagen, zwischen Oberösterreich und Burgenland schwank ich hin und her, aber im Endeffekt würde ich mich dann für das Burgenland entscheiden, einfach weil es großartigerweise das Meer der Wiener liefert und der Neusiedler See vor Ort und den mag ich sehr, sehr gern.-Passt auch zu dir.-Danke, sehr danke. Es ist auch ein bisschen der Balkan in Österreich. Ich würde sagen, damit sind wir heute durch mit unserer letzten Sondernummer. Es hat uns sehr gefreut, wenn ihr die ganze Staffel verfolgt habt und uns treu geblieben seid. Bleibt uns bitte weiter treu, empfehlt uns weiter. Wir machen demnächst weiter mit einer neuen Staffel. Da werden wir ein bisschen ein anderes Konzept, ein bisschen einen anderen Startpunkt präsentieren. Wenn ihr Orte, Ereignisse näher beleuchtet haben wollt, könnt ihr uns auch immer gerne Anregungen schicken an podcast@ma53.wien.gv.at. Ansonsten verbleiben wir. Bis zur nächsten Staffel. Andreas und Walter.-Leider fehlt es in der Aufarbeitung über den Wohnbau der Gemeinde Wien nach dem Zweiten Weltkrieg an umfassenden Arbeiten, wie sie im Vergleich zu den Bauten in der Zwischenkriegszeit existieren. Eine Lücke schließt da das Buch von Vera Kapeller, Johannes Huemer und Elisabeth Wiesenthal mit dem Titel Kunst- und Plattenbausiedlungen in Wien. Der Fokus liegt vor allem auf den künstlerischen Arbeiten im öffentlichen Raum. Hier findet man zahlreiche Abbildungen zu Hausbeschmückungen und Plastiken. Interessant ist unter anderem auch das Kapitel, wie eigentlich die Bewohner*innen der Bauten zu diesen Kunstwerken stehen. Herausgegeben 2017 von der Akademie der Wissenschaften. Das im Beitrag zitierte statistische Material finden Sie im Band Das österreichische Nationalbewusstsein– Ergebnis einer empirischen Untersuchung im Jahre 2019 Publiziert von Ernst Bruckmüller und Peter Tiehm. Akribisch haben die beiden Wissenschaftler das österreichische Nationalbewusstsein ausgeleuchtet und neben viel Erhellendem auch einige unterhaltsame Skurrilitäten erforscht. So kann man unter anderem erfahren, welche Symbole den Befragten beim Wort Österreich einfallen. Auf jeden Fall recht spannend, auf welche Plätze das Wiener Schnitzel, Hammer und Sichel und der Kaiserschmarrn fallen.
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